Heute ausschlafen und in Ruhe nach Jo’burg fahren, etwas essen und danach die Caravans abgeben. Aber meistens kommt es anders als gedacht….
Raimund und Äbbel fuhren schon in Richtung Ausgang unseres Park’s, doch das zweite, schon erneuerte Wohnmobil war noch nicht im Rückspiegel zu erkennen. Also umgedreht und Nachschauen was passiert war. Kein Saft in der Batterie war die schnelle Diagnose. Doch wo war die Batterie??? Nach einer Stunde wurde in der Vermietstation angerufen und der Monteur erschien dann nach 90 Minuten am Wagen. Zu unserer Verwunderung besaß er keinen Werkzeugkasten und versuchte die Schrauben mittels einem Küchenmesser und einem Hammer zuöffnen. Mittlerweile hatten wir schon die Batterie aufgeladen und der Wagen sprang nach etlichen Versuchen an. Schon wieder mit 3 Stunden Verspätung konnten wir dann die letzte Fahrt nach Johannesburg antreten. Wir erreichten den Stützpunkt nach abgeleisteten 7300 km wohlbehalten und gesund. Dort wurden beide Fahrzeuge problemlos abgenommen und wir konnten unsere Koffer packen. Zum Schluss noch ein Abschlussbierchen und die Fahrt zum Flugplatz wurde in Angriff genommen. Dort nahmen wir die Nachtmaschine nach Kairo und werden dann Dienstag in Frankfurt landen.

Das Fazit unserer Reise beschreibt jeder Mitfahrer so:

Stephan: “Gemeinsam mit meinen besten Freunden konnte ich eine sensationelle Weltmeisterschaft mit tollen Siegen der deutschen Mannschaft, insbesondere gegen England und Argentinien erleben. Noch mehr beeindruckt hat mich das Land Südafrika, mit seinen wunderbaren verschiedenartigen Landschaften und den immer freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Ein unvergesslicher Tripp.“

Jupp: “Unbeschreiblich!!!!!!!!!! Südafrika ist auch ohne WM eine Reise wert. Die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen durfte ich hier kennen lernen. Landschaften ohnegleichen verleihen diesem Land einen besonderen Flair. Das waren „Die“ schönsten 4 Wochen meines Lebens.

Eili: “Ein genialer Urlaub. Nicht im Traum hätte ich mir Süd-Afrika so Top vorgestellt.
Es war alles dabei. Abenteuer, tolle und verrückte 7300 km Caravan Transfers, sowie eine super Stadt „Cape Town“.
Unser DFB-Team hat die Sache fast perfekt abgerundet. Unvergessen die haushohen Siege gegen England und Argentinien.
Danke an meine besten Freunde für vier perfekte Wochen“.

Äbbel: “Das größte und schönste Abenteuer meines Lebens“. Auch möchte ich mich an dieser Stelle bei A L L E N bedanken, die es mir ermöglichten diese vier Wochen zu erleben.

Tobi: “Auch wenn ich leider nur 2/3 der Reise mitmachen konnte, war die Zeit in Südafrika bis jetzt die Schönste in meinem Leben. Super freundliche und hilfsbereite Einheimische, spetakulären Landschaften, Kapstadt (für mich die schönste Stadt überhaupt), die WM-Spiele gegen England und Argentienien, sowie dies alles mit guten Freunden zu erleben, haben diesen Tripp für mich zu einem unbeschreiblichen Ereignis gemacht, dass ich bis zu meinem Lebensende nie vergessen werde. Nochmals Danke an den Rest der Truppe, dass ich bei diesem Event teilnehmen durfte.”

Raimund :-) “War alles Mist, nicht mal Weltmeister sind wir geworden. Linksverkehr gilt immer noch, was soll das, können die nicht fahren. Deutsch spricht weiterhin kein Mensch. Nächtliches Haitauchen haben meine vier Exfreunde verhindert.“

Zu guter Letzt, bedanken wir uns bei der ständig wachsenden Leserschaft dieses WM-Blogs. Leider ist unser “kleiner Wochenendausflug“ nun beendet. 4 Wochen konntet Ihr uns auf unserer Reise begleiten. “Des Künstlers Brot ist der Applaus“ – deshalb sind wir für kritische oder positive Kommentierungen eines jeden Lesers dieses WM-Blogs sehr verbunden.

Di
13
Jul
06:37

Am Tag des Finales hatten wir keine Termine und konnten somit einmal richtig ausschlafen. Es klingelte kein Wecker und gegen 11 Uhr waren wir dann gewaschen und gekämmt. Am Vorabend hatten wir mit Dumy ausgemacht, dass er uns ab 13 Uhr am Campingplatz abholt, um zuerst nach einem Restaurant unserer Wahl Ausschau zu halten, um danach für die Nichtkarteninhaber des Finals ein Pub für das Finalspiel zusuchen. Dieses Vorhaben gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn wir hatten zwar eine Adresse, aber keine genauen GPS-Daten, und so fuhren wir ca. 90 Min kreuz und quer durch Johannesburg, was einer Stadtrundfahrt gleich kam, bis wir dann doch die Straße fanden nach der wir suchten. Also Platz beim Italiener, allerdings nach afrikanischem Stil, genommen und vom Kellner den Hinweis bekommen, das wir zwei Stunden vor dem Finale den Tisch frei machen müssten. Als der Erste von uns zur Toilette wollte, kam er mit einem Lächeln zurück. Natürlich wollten wir nun alle dieses Erlebnis genießen und mussten um zum stillen Örtchen zukommen quer durch die Küche an allen Bediensteten vorbei.
Nach unserem Abendessen ging dann die Suche nach einem geeigneten Platz zum Schauen des Finals los. Bevor wir in unser persönliches Taxi stiegen, wurden noch einige Straßenhändler, durch den Kauf einiger Shirts und Vuvuzelas glücklich gemacht.
Jetzt sollte die Fahrt in das 10 Min entfernte Stadion losgehen. Aber zuerst noch in der Fanmeile zwei Mitfahrer aufnehmen !!! Doch wo blieben die denn nur??? Als es dann halb sieben wurde liefen Eili und Äbbel (die besaßen Endspieltickets) zu einem öffentlichen Busbahnhof. Auch dies war wieder ein Platz in den sie noch vor 4 Wochen keinen Fuß gesetzt hätten. Nachdem sie ca. in 6-8 PKWs und Bussen saßen, ging die Fahrt nach zähen Verhandlungen los. Doch 2 km vor dem Stadion war auch diese Fahrt beendet, denn der Fahrer besaß keine Lizenz für die Einfahrt in Richtung des Spielortes. Kurzerhand wurde ein PKW gestoppt und so ging es zum Soccer City Stadium, wo ein wirklich tolles Endspiel stattfand (auch wenn es vor dem Bildschirm nicht den Eindruck machte).
Währendessen schauten Raimund, Jupp und Stephan das Spiel in “Nicki´s Oasis“ einer einheimischen Jazzkneipe, direkt neben der Fifa-Fanmeile. Die Live Band hörte während der Fußballübertragung auf zu spielen, während zu diesem Zeitpunkt die Kneipe mit internationalem Publikum gut gefüllt war. Das Fußballschauen auf der Fanmeile war aufgrund der kalten Außentemperaturen unmöglich. Im Anschluss an das Endspiel kamen Äbbel und Eili gemeinsam mit Antea, der Australierin, die Sie im Stadion getroffen hatten ebenfalls in “Nicki´s Oasis“. Die Stimmung nach dem Spiel war ausgelassen – es wurde gesungen, getanzt und gemeinsam mit den zwischenzeitlich ausschließlich schwarzen Gästen Vuvuzela geblasen. Nach einigen gemeinsamen Abschiedsrunden wurde dann der Heimweg angetreten.
Dies sollte unsere letzte äußerst kalte Nacht in Johannesburg gewesen sein.

Heute morgen sollte es zur letzten großen Tour, über 600 km, zurück nach Johannesburg gehen. Also klingelte um 7 Uhr der Wecker im immer noch warmen Villa Spa Camping Resort. Nix wie raus aus den Federn, duschen, rasieren und Zähne putzen. Wir gingen zu Jakob, Vera und Anthea, die extra für unsere Verabschiedung früher aufstanden, verabredeten uns mal nach Köln auf einen Abstecher zukommen, drückten uns zum Schluss noch heftig. Dann sollte die Etappe in Angriff genommen werden. Äbbel startete sein Fahrzeug und begann sein Rangiermanöver. Nach einem kurzen Blick aus dem Seitenfenster sah Raimund, dass Eili’s Fahrzeug nicht ansprang. Überbrückungskabel raus, Batterie überbrückt und nichts funktionierte. Sofort kam unser Zeltnachbar, mit Werkzeugkasten, schaute sich die Sache an und schüttelte ratlos den Kopf. Flux kam der nächste Zeltnachbar und bot uns seinen Bekannten, der in der Nähe wohnte an, der bestimmt die Sache in Ordnung bringen würde. Wir hatten mittlerweile Kontakt mit dem Vermieter in Jo’burg aufgenommen, der uns ebenfalls einen Mechaniker, aus einem 60 km entfernten Ort schickten wollte. Nach einer Stunde standen dann zwei Mechaniker, zwei Nachbarn, unsere Bekannten aus Köln und Australien und 5 Nachtschwärmer ratlos um das Fahrzeug herum. Wiederum 60 Minuten später teilte man uns mit, die Reparatur würde ungefähr 5 Stunden benötigen. Darauf wollten und konnten wir uns auf keinen Fall einlassen und letztendlich wurde uns der Austausch des Motorhome’s angeboten.
Während also Stephan, Eili und Jupp ihr ganzes Hab und Gut aus dem Camper auf eine Decke räumten, fuhren Raimund und Äbbel in den ca. 60 km entfernten Stützpunkt eines Wohnmobilverleihs. Um zwölf Uhr mittags konnte dann endlich ein – und umgeräumt werden. Mittlerweile fuhren auch schon Antea und unsere Kölner Freunde los und wir waren noch immer nicht startbereit. 30 Minuten später ging es endlich, nach einem kurzen Tankstellenbesuch Richtung Jo’burg.
Nach 300 km bei einer Mautstation wollten Stephan und Volker die Fahrerposition wechseln. Deshalb fuhren wir kurz hinter der Station links ran. Da tauchte auch schon recht schnell eine Polizistin auf und forderte unsere Papiere an. Dieser Aufforderung kamen wir auch sofort nach und es schien sich alles in Wohlgefallen aufzulösen. Falsch gedacht! Uns wurde klargemacht ein kurzes Halten an dieser Stelle sollte 1500 Rand ( 165 € ) pro Fahrzeug kosten. Auf unsere Argumentation ging die nette Dame im ersten Moment in keinster Weise ein. Auf den Einwand, wir seien doch Fussballfans und wollten zum Finale nach Soccer City Stadium hellte sich die Miene auf, und wir wurden gefragt, ob es uns denn leid täte hier geparkt zuhaben. Ein kräftiges Nicken von fünf Köpfen und einem kleinen alten deutschen Polizeiabzeichen als Präsent, ging es dann doch ohne weitere Kosten weiter.
Im Dunkeln erreichten wir unseren uns bekannten Campingplatz, riefen Dumy wegen eines Fahrzeugs an und schlenderten in Richtung Rezeption. Dort wurden wir von Koch Deon herzlich empfangen. Er wurde von uns mit einem Deutschlandtrikot – und Schal für seine Bemühungen beschenkt und wir begannen, wie immer auf unseren Fahrer zu warten. Nach einer Stunde, wir schauten derweil das Spiel um Platz 3, kam unser Fahrer an, und wir teilten ihm mit, das wir gerne die 2. Halbzeit des Spiels in einer Sportbar mit Restaurant schauen wollen. Der Fahrer zückte sein Handy und rief in einem, wie er meinte, für uns idealen Club an, um dem Türsteher mitzuteilen, das in nächster Zeit er mit 5 V.I.P.’s eintreffen werde. Und dann kamen wir an!!! Dumy führte uns in einen Club, in dem ausschließlich schwarzhäutige Gäste saßen. Das war genau die Location, mitten in einem der Townships von Johannesburg, vor der uns jeder in Deutschland warnte. Und das nächste Abenteuer nahm seinen Lauf. Man führte uns in ein beheiztes Zelt indem eine Riesenleinwand die 2. Halbzeit des Spiels zeigte. Als dann noch die deutsche Elf den 2:2 Ausgleich schoss und wir unser bekanntes „We love Germany“ intonierten war endgültig das Eis gebrochen. Wir wurden zu allen möglichen Dingen befragt und von allen Seiten fotografiert. Beim 3:2 unserer Mannschaft begann das ganze Zelt ein „We love Germany“ zu singen. Wir bekamen Lamm, Hähnchen und Würstchen mit Nudel – und Krautsalat serviert und es wurde ein für uns ebenfalls wieder einmal unvergesslicher Abend.

Fazit: In einem Teil Südafrikas, vor dem uns Alle und Jeder zuhause warnte, konnten wir den „Way of African Life“ am eigenen Körper furchtlos und voller Erstaunen miterleben.

Nach dem gestrigen internationalen Stammtischeinsatz wurde heute erstmals ordentlich ausgeschlafen. Der Vormittag wurde unterschiedlich verbracht, ob Frühstück bei den Campingnachbarn oder Schwimmen im Meer. Gegen 14.00 Uhr wurde der Grill angeworfen, und für 15 Uhr ein Taxi zur Shopping Mall “Galeria“ geordert. Hier wurde so manches Mitbringsel für unsere Lieben zu Hause erworben. Näheres soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Gegen 18.30 Uhr beschlossen wir mit dem Public Bus – eine Art Minibus – in die Florida Road nach Durban zu fahren. Die Fahrt ist sehr günstig und kostet nur etwa 1 Euro pro Person. Gemeinsam mit mehreren schwarzen Mitfahrern ( nicht zu verwechseln mit Schwarzfahrern ) fuhren wir über die westliche Route Richtung Innenstadt. Da die Florida Road nicht auf der direkten Route unseres Public Busses lag, leierte der Fahrer kurzerhand das Fenster während der Fahrt herunter, und sprach über die Fahrbahn hinweg mit einem zweiten Busfahrer. Beide Busse stoppten kurz, wir stiegen in den nächsten Minibus zu einem jungen “African Rastamen“ nebst ebenso coolem Beifahrer. Unter Vollbeschallung was die Musikanlage hergab und mit rhytmischen Wippbewegungen des Fahrers ging es jetzt direkt in die Florida Road. Auf unsere Frage was es denn kostet, fragte uns der Fahrer:“ Was wollt ihr denn bezahlen ?“. Wir gaben ihm 50 Rand, umgerechnet 5,50 € was seine Augen zum leuchten brachte, und uns einen: “God bless you !“ Segen.
Im “Cubana“ genossen wir frischen Fisch und vorzügliche Steaks. Mittlerweile hatte sich das Lokal gut gefüllt, und es war die Hölle los. Dennoch beschlossen wir noch mal in der einen oder anderen Lokalität ein Testbierchen bzw. Weinchen zu nehmen. Doch der Weg führte uns wieder zurück ins “Cubana“ wo die Stimmung jetzt einfach sensationell war. Obwohl an diesem Abend kein Fußballspiel stattfand, war der Laden rappelvoll. Man traf alle Arten von Menschen mit jeglicher Hautfarbe, ob reich oder arm die einfach gut drauf waren und abfeierten.
Beim Antritt des Heimweges bestiegen wir einen alten BMW ( 3er) Taxi, der seine besten Zeiten schon hinter sich hatte. Der Fahrer wollte uns für 250 Rand nach Hause fahren. Zuerst fuhr er auf die ca. 200 Meter entfernte Tankstelle und tankte für 50 Rand = 5,50 Euro.
( Fachausdruck: I am a little short ! )
Beim tanken überlegte er sich das 250 Rand doch ein bisschen wenig wäre ! So fuhr er uns die 200 Meter wieder zurück, und wir stiegen vor dem Cubanas wieder aus.
Da war es wieder unser allabendliches Taxiabenteuer. Auf ins nächste Taxi, ein ganz netter Fahrer, dessen Bekannte bei Lions King in Hamburg spielen. Eine angenehme Fahrt mit tollem Gespräch: Kosten für die 42 KM – 250 Rand + 50 Rand Trinkgeld – also es geht doch !
Jetzt nur noch unseren Elektrozaun überwinden, und ab ins Bett, schließlich sollte es um 8 Uhr weiter gehen nach Johannesburg, doch das ist eine andere Geschichte.

Nach erneutem Ausschlafen wurde der Tagesablauf geplant. Am Vorabend hatten wir die zwei Kölner und die Australierin Antea zum Braai eingeladen.
Da quasi unsere kompletten Vorräte aufgebraucht waren inkl. Telefonkarten und Internetzugang fuhren Äbbel, Stephan und Eili mit einem Wohnmobil ins nahegelegene Einkaufcenter. Raimund und Jupp schmissen schon mal den Grill an.
Die Drei kehrten nach knapp zwei Std. auf den Campingplatz zurück. Internet und Telefon konnten leider nicht aufgeladen werden. Gegen 14 Uhr ging es los mit dem Braai.
Es wurde noch mal intensivst den Vortag und der ganze Weg des DFB Teams bequatscht.
Die haushohen Siege gegen England und Argentinien wird wohl keiner in seinem Leben vergessen, es war einfach gigantisch. Spanien war halt das bessere Team im Halbfinale.
Trotz allem freuen wir uns auf das Finale in Johannesburg.
Nach dem gemütlichen Grillen ging es schnurstracks zur Bar auf dem Campingplatz.
Der Stammtisch begann schon sehr verfrüht gegen 17.30 Uhr. Nun Regelkunde für Köln und Australien beim Würfeln. Auf die Frage von Antea ob ein Tschupp weltweit eins, fünf, sechs oder eine andere Zahlenkombination ist, entgegneten wir laut WWWO ( World Würfel Organisation ) mit Sitz in Dortelweil – und jährlicher Veranstalter des CoC – mit einem entrüsteten ja, das ist weltweit Standard. Stephans Gläser drehen mit dem Barkeeper ließen den Vortag komplett vergessen. Gegen 19.30 Uhr der Schock, der Barkeeper will um 20 Uhr schließen, und das an einem Nachtschwärmer Donnerstag.
Wir haben doch jetzt Stammtisch, so geht´s net.
Mittlerweile sind die zwei bekannten Leipziger in der Bar eingelaufen, ihre Unterstützung kam uns schon sehr entgegen. Nach schweren Kämpfen endete ein gelungener Stammtisch kurz vor Mitternacht an der Campingbar.

Endlich wieder einmal ausschlafen, denn heute stand ein weiteres Highlight auf dem Programm: Halbfinale Deutschland – Spanien.

Antea, eine Australierin, die wir seit Bloemfontein kennen feierte ihren Geburtstag. Sie hatte uns zum Pancake Frühstück eingeladen. Pfannkuchen mit verschiedenen Früchten, Marmelade und Eiscreme mundeten vorzüglich. Eine junge Familie aus Leipzig (Elternpaar mit zwei kleinen Jungs und Großvater) wurden wie selbstverständlich kurzerhand eingeladen.
Mit den Jungs wurde Fußball gespielt und es gab nur ein Thema: Den Knaller am Abend.
Äbbel musste Antea alles übersetzen, was manchmal zu lustigen Versprechern führte.
So verging die Zeit wie im Flug. Um 15 Uhr ging es dann Richtung Stadion. Diesmal mit dem einheimmischen FIFA Sonderzug. Noch mal eine neue Erfahrung in Süd-Afrika. Der Bahnhof glich dem von Münster vor dem 1. Weltkrieg. Wie in Deutschland hatte der Zug etwas Verspätung. Umrahmt von überwiegend schwarzen Perlen, sangen wir den neu Zugestiegenen unser „We love Germany“ zu dem die Alteingesessenen kräftig mitsangen. Einfach herrlich, wenn nur das Toilettenproblem nicht gewesen wäre. Eine Haltestelle vor dem Stadion mussten wir umsteigen und so wurde wertvolle Zeit verschenkt. Laut Fahrplan sollte die Fahrt eine Stunde dauern. Nach 1 Stunde und 44 Minuten wurde die Fahrt erfolgreich abgeschlossen.
Zufällig trafen wir vorm Stadion unsere Freunde Norbert und Berti. Erst mal stärken. Ein Bierchen an der Strandpromenade und noch schnell ein Happen Essen in diversen Imbissen.
Dabei trafen Stephan und Eili, die einzig respektierte Sozialarbeiterin von Town Ships, die uns herzlich zu einem Besuch in Cape Town einlud. Danach schnell zum Stadion.
Da wir diesmal in verschiedenen Blöcken saßen, vereinbarten wir einen Treffpunkt nach dem Spiel. Das Spiel nahm seinen bekannten Lauf. Raimund saß allein unter deutschen Chaoten und bekam von den ersten 20 Minuten nicht viel mit. Als Höhepunkt musste er noch einen Fan mit der Eintrachtfahne fotografieren. In der Halbzeitpause stießen Stephan und Jupp zu Eili und Äbbel, doch auch das half unserer Mannschaft leider nicht. Neidlos mussten wir den Sieg der spanischen Mannschaft anerkennen. Aber alle waren wir der Meinung eine großartige DFB Elf während dieser WM erlebt zu haben. Am Treffpunkt sammelten sich die einzelnen Grüppchen und so zogen wir Richtung Florida Road, da am Strand alles knüppelvoll war, sowohl die Lokale als auch ein paar Fans. Durch dunkle Wohngebiete erreichten wir den belebten Boulevard von Durban. Zuvor hatten wir uns von Norbert und Bertie verabschiedet auch hier haben wir 2 neue Freunde gefunden, die uns zu ihrem lokalen Weinfest Ende Oktober eingeladen haben. Hoch auf einer Terrassenkneipe beobachten wir des Treiben unter uns. Natürlich gab es ein paar Frustbierchen und Longdrinks. Serviert wurden diese von einer ca. 1,50 kleinen Bedienung, die auch noch mit einer leisen und piepsigen Stimme gesegnet war. Zum Höhepunkt hieß das Lokal Cocktaillounge obwohl es keine Cocktails zu Trinken gab. Die Suche nach einer weiteren Kneipe verlief nicht zu unserer Zufriedenheit. Entweder wurden sie gerade geschlossen oder sie waren so überfüllt, weshalb wir nichts mehr bekamen. Also ab nach Hause und etwas später als sonst lagen wir etwas enttäuscht in Morpheus Armen.

um 5.30 ertönte das grausame Geräusch, das klingeln des Weckers. Auf zur heutigen letzten Teilstrecke nach Durban von ca. 650 km. Noch in der Dunkelheit verließen wir um 6.30 Uhr in unseren Caravans den Campingplatz. Die Route führte uns über Landstraßen in die Berge.
So eine Strecke hatte von uns noch keiner erlebt. Auf der Straße war alles präsent, verschiedenste Tiere, (da steht schon mal ne Kuh auf der Mittellinie oder ein Ochs läuft in aller Ruhe über die Straße) Kinder und Erwachsene Menschen spazierten über die Landstraße. In Ortschaften war der Teufel los, alles Schwarze die ihren Tagesablauf hier bewältigen. Auto waschen, Flohmarkt, kleine Partys und scheinbar haben die Anwohner Geld aufs Konto bekommen. Die Schlange am Geldautomaten war riesengroß, geschätzte 100 Meter lang und
3 Meter breit. Im Ort selber kam die Tachonadel nicht über 20 km/h.
Vorher hatten wir die Caravans vollgetankt, in diesem Gebiet wollte keiner anhalten.
So gegen 13.30 Uhr war das gröbste geschafft, nun folgten noch knapp 180 km gut ausgebaute Autobahn. Um halb vier erreichten wir unser vorletztes Ziel „Durban“.
Bei sommerlichen Temperaturen wagten einige den Sprung in unseren Pool. Es ist bisher der schönste Campingplatz direkt am Meer. Eingezäunt wie einst Alcatraz. Jeder Caravan bekommt einen Stechchip für rein oder raus. Der örtliche südafrikanische Bahnhof liegt ebenfalls direkt bei unserem Campingplatz, hier setzt die FIFA einen kostenlosen Sonderzug zu WM Spielen ein.
Nach Durban sind es ca. 40 km. Wir beschlossen uns ein Taxi zu bestellen für 17.30 Uhr. Raimund musste ja noch seine Eintrittskarte fürs Halbfinale am Ticketcenter abholen.
Taxi pünktlich da, aber wir konnten nicht raus, alles verschlossen. Das Tor geht nur in Verbindung mit Stechchip und Auto auf. Als Fußgänger geht’s nicht. Was tun? Taxifahrer von außen mit Chip. Alles paletti.
Nun endlich nach Durban, Halbfinalkarte geholt und ab zum Essen ins „Havanna“. Auch die Kartennachbarn von Äbbel und Eili waren mit dabei.
Pünktlich zum Anpfiff des ersten Halbfinales hatten wir eine passende Location im Sun Coast Boulevard gefunden.
Wir sahen Holland gegen Uruguay auf Großbildleinwand, dass keinen so richtig vom Hocker gehauen hat – aber erst müssen wir die Spanier wegzaubern.
Nach dem anschließenden Besuch des örtlichen Spielkasinos endete der Abend erfolgreich. Jetzt nur noch Heim mit wieder mal einem ahnungslosen Taxifahrer, der beim Sprechen fast einschlief. Nach 2 Richtungswechseln und unter unserer Anleitung erreichten wir unseren Campingplatz nach knappen 50 Minuten Autofahrt. “Yeeeeeeess !!!“
Voller Vorfreude auf den Hit „Deutschland – Spanien“ ging´s ins Bett.

Da wir heute nur einen Trip von 340 KM vor uns haben, wurde ausgeschlafen bis 9.00 Uhr. Pünktlich um 10 Uhr verließen wir Port Elizabeth in Richtung East London. An einer Tankstelle wurde kurz im Stehen gefrühstückt, mit Kaffee Schinken – Käse Blätterteigstückchen und Bananenkuchen. Die Fahrt führte uns durch herrliche grüne Berglandschaften, wo oftmals Schafe oder Rinder weideten. Ein fast schon europäischer Eindruck. Es ging durch Naturschutzgebiete, vorbei an Straußenfarmen, und über eine Brücke an dem man den höchsten Brückenbungee Sprung der Welt von über 219 Metern ausführen kann. Gegen 15.15 Uhr erreichten wir East London. In der Stadt waren vorwiegend nur Schwarze auf den Straßen. Auch hier war die Hölle los. Tausende Menschen wuseln auf der Straße und vor den Geschäften – Schlangen vor Geldautomaten.
Da hier kaum weiße Menschen zu sehen waren beschlossen wir den heutigen Abend bei einem “Braii“ auf dem Campingplatz zu verbringen. Wir füllten an einem Supermarkt unsere Bestände mit Bier, kauften T-Bones, Rumps und Bratwürstchen.
Unser Campingplatz lag 250 Meter fußläufig zum Meer, mit herrlichem Sandstrand. Bei einer Temperatur von ca. 20 Grad konnten nun erstmals die Shorts ausgepackt werden, und es wurde in aller Gemütlichkeit gegrillt. Gegen 20.15 spazierten wir über den Boardwalk, einen Holzsteg am Meer entlang, in eine kleine gemütliche Kneipe der Einheimischen. Bei diversen Runden des Würfelns und des Kartenspielens besserten wir unsere Urlaubskasse etwas auf.
Gegen 23.00 Uhr führte uns der Weg dann wieder in unsere Wohnmobile, denn der Wecker sollte am nächsten Morgen bereits um 5.30 Uhr klingeln.

Heute klingelte der Wecker schon zeitig und es hieß für uns um 6 Uhr „Raus aus den Federn !“ Kurz geduscht, Zähne geputzt und gekämmt. Danach noch mit Vera und Jakob auf einem Campingplatz in Durban für Mittwoch verabredet und dann ging es los. Wir fuhren noch mal durch Kapstadt – Richtung Flughafen. Da es noch sehr früh und dazu noch Sonntag war klappte das sehr gut. Doch jetzt kam er der Moment den eigentlich niemand wollte – aber es musste sein. Tobias wurde vom Rest der Truppe mit einigen Tränchen und Schulterklopfen verabschiedet und uns wurde auch klar das unsere letzte Woche angebrochen war.
Nun begann unser „Höllenritt“ in Richtung Durban, der drei Tage dauern wird, und dabei von uns ca. 1.700 km zurück gelegt werden müssen. Wir durchfuhren anfangs ein Gebirge und erreichten nach einem kurzem Frühstück gegen Mittag die „Garden Route“. Die „Garden Route“ ist eine Strasse, die von Mossel Bay bis kurz vor P E durch eine wirklich spektakuläre Landschaft von Dünen des Indischen Ozeans, Schluchten und grünen Wäldern mit bunten Büschen führt. Der Anblick war wirklich absolut sehenswert und atemberaubend, Als wir gegen Nachmittag den Tsitsikamma Nationalpark durchfuhren kam etwas das wir die ganze Zeit befürchteten – das Wohnmobil von Eili wurde immer langsamer und wir nahmen die nächstmögliche Ausfahrt der N2, um eine Tankstelle aufzusuchen. Bei der Auffahrt eines Berges war dann endgültig der Ofen aus. Der Camper blieb stehen und nach Öffnen der Motorhaube stellten Jupp und Stephan ein Loch in einem Luftschlauch fest. Nachdem Raimund mit Klebeband das Problem kurzfristig behoben hatte, konnten wir die Berghöhe erreichen und ins Tal direkt in die Tankstelle einrollen. Nach kurzem Telefonat an der Tankstelle konnte ein Mechaniker ausfindig gemacht werden der uns weiterhelfen konnte.
Er baute den Schlauch aus, stülpte eine größeren LKW Schlauch drüber und befestigte die beiden Enden mit Schellen. Die Sache war in gut 2,5 Stunden erledigt, und das an einem Sonntag. In Südafrika ist man offensichtlich gewohnt sich gegenseitig zu helfen. In Deutschland hätte vermutlich erst ein neues Ersatzteil herangeschafft werden müssen.
Die Wartezeit überbrückten wir an der kleinen Tankstelle mit Kaffee und Pizza und diversen Gesprächen mit Einheimischen.
Gegen 18.30 Uhr fuhren wir dann die restliche Strecke in der Dunkelheit nach PE, dass wir gegen 20.15 Uhr erreichten, und somit unser Tagespensum von 800 KM doch noch erfolgreich abschlossen. Kurzer Kleidungswechsel und ab in das Blue Water Cafe zum Abendessen. Im benachbarten bestens bekannten Barney´s, das heute deutlich leerer als bei unseren vormaligen Besuchen an Spieltagen der Weltmeisterschaft war, wurde der Tag bei ein paar Bierchen noch einmal Revue passieren lassen – und die Meinung war einstimmig:
“Nochmal Glück im Unglück an diesem Tag gehabt.“ Mit dem kleinsten Taxi der Stadt ging es zurück zum Campingplatz. Zu fünft in einem kleinen uralt Honda , bei dem Äbbel und Stephan übereinander auf dem Beifahrersitz saßen – doch: “No Problem !“
Müde von diesem anstrengenden Tag ging es direkt in die Wohnmobile – heute einmal ohne Abschlussbierchen !

Entspanntes Ausschlafen bis 9.00 Uhr. Für 10 Uhr war Williams Taxi für 8 Personen bestellt. Zwischenzeitlich hatten sich noch Vera und Jakob angeschlossen, ein sehr nettes Pärchen aus Köln die auch mit dem Wohnmobil unterwegs sind, und die wir regelmäßig seit dem Campingplatz in Johannesburg antrafen. Auf dem Weg zum Abholpunkt fragten noch kurzfristig ein Schalke-Fan und ein Gladbach-Fan an, ob sie auch im Taxi mitfahren könnten.
Als William gegen 10.45 Uhr mit seinem Wagen eintraf, der für 8 Personen inklusive Fahrer ausgelegt ist, rang ihm die Situation nur ein kleines “No Problem“ ab. Also den Gladbacher in den Kofferaum, den Schalker, Stephan, Eili und Tobi auf die hintere Rückbank, Vera auf Jakob, Äbbel und Eili auf die mittlere Bank, und den “schmalen“ Jupp auf den Beifahrersitz.
So ging es in 20 Minuten an die Waterfront wo wir mit Norbert und Berti verabredet waren.
Noch ein kurzes gemeinsames Frühstück, und dann ging es auch schon Richtung Stadion.
Über einen ca. 2 km langen Weg ( genannt Fanparade ) durch die Innenstadt zogen in Vorfreude Tausende von deutschen und argentinischen Fans, bekleidet mit Trikots, Fahnen und verschiedenen verrückten Utensilien gen Stadion.
Am Rande standen Menschenscharen von Südafrikanern, die dieses Spektakel beobachteten, fotografierten und mitfeierten, obwohl sie gar keine Eintrittskarten besaßen. Es ging vorbei an Geschäften und Kneipen wo überall gefeiert wurde. Kinder tanzten auf der Straße. Eine riesige Deutschlandfahne war am “Lions Head“ ein Berg neben dem Tafelberg zu sehen. Ein wirklich herrliches Bild – so fühlt sich die WM live an !
Nach einem kurzen Bierstop in einer der Kneipen ging es auch für uns mit ausgebreitetem Nachtschwärmer – Banner ins Stadion. Im Stadion war die Hölle los, die Argentinier deutlich in der Mehrzahl, trommelten und tanzten in Scharen. Der Banner wurde wie immer mit Kabelbinder im 1. Rang hinter dem Tor fixiert, während wir weiter oben im Block saßen. Ca. 5 Meter oberhalb von unseren Sitzplätzen befand sich das Studio des ZDF, woraus Oli Kahn berichtete. Direkt eine Kabine weiter war SKY mit Jens Lehmann. Zwei Torwart Legenden direkt nebeneinander. Während Oli Kahn etwas steif gegenüber den deutschen Fans wirkte, winkte Jens Lehmann uns mehrmals zu, und ließ sich auch mit einigen Leuten fotografieren.
Nach überragendem Spiel der deutschen Mannschaft, das die werte Leserschaft dieses Blogs bestimmt mitverfolgt hat, wurde ein souveräner 4:0 Sieg eingefahren, woran keiner von uns im Vorfeld geglaubt hatte. Wir lagen uns in den Armen und feierten gemeinsam mit weiteren deutschen Fans im Block.
Dann geschah das Unfassbare: Argentinier rissen unsere Nachtschwärmerfahne ab. Äbbel der noch die Leute mit der Fahne verschwinden sah kam jedoch zu spät, sie waren zwischenzeitlich in der Menschenmenge verschwunden. Zunächst völlig konsterniert – aufgrund dieses Vorfalls – wollten wir uns dennoch die hervorragende Stimmung um uns herum nicht vermiesen lassen. In der Gewissheit das wir die Situation sowieso nicht ändern können, hakten wir alle den Vorfall schnell ab.
Via Fußmarsch ging es zurück an die Waterfront, wo wir den Sieg im Paulaner Hofbräuhaus feiern wollten. Leider war dieses völlig überfüllt, so das wir in einem gegenüberliegenden Zelt noch Platz fanden, wo mit weiteren zahlreichen deutschen Fans heftig gesungen und fröhlich unter Inanspruchnahme des ein oder anderen Bieres gefeiert wurde. Parallel wurde das Spiel Spanien : Paraguay auf Großbildleinwand angeschaut.
Gegen 0.00 Uhr traten wir vernünftigerweise unseren Heimweg an, da jetzt ein Fahrtweg von 1.700 KM nach Durban, dem nächsten Spielort unserer Mannschaft vor uns liegt, den wir in 3 Tagen bewältigen müssen. So sollte die geplante Abfahrt um 7 Uhr am nächsten Morgen sein.
Wir riefen unseren Freund William, der uns kurze Zeit später, in völliger Begeisterung von dem deutschen Sieg, zu unserem Campingplatz zurückfuhr.
Als Abschiedsgeschenk erhielt William die Lesebrille von Raimund. Freudig wurden noch die e-mail Adressen getauscht, und William entgegnete noch, falls wir “Germans“ mal wieder in Kapstadt sind – wir sollen ihn auf jeden Fall anrufen, er würde uns zu jeder Zeit bei Tag und Nacht wieder fahren. Nach diesem ereignisreichen Tag wurde noch ein Abschlussbierchen am Wohnmobil getrunken, zumal am nächsten Tag auch Tobis Heimreise anstand. Es wurde noch einmal voller Wehmut unserer Fahne gedacht, bevor es dann in die Wohnmobile zum schlafen ging.

PS: Beileidsbekundungen zum Verlust unserer Fahne können unter Comments hinterlassen werden !